Willkommen auf meinem Blog – Eine Stimme der Stimmlosen
Die Entscheidung, diesen Blog zu schreiben, hat nicht nur mit der Promo für den Kinderroman zu tun. Das ist nur ein kleiner Teil des Ganzen. Das soll aber nicht heißen, dass ich mich nicht über eine Bestellung des Buches freuen würde. Das wäre definitiv gelogen. Und auf dem Tisch, an dem ich gerade diesen Blog schreibe, wird natürlich nicht gelogen. Selbstverständlich freue ich mich über jede einzelne Bestellung.
Aber der eigentliche Grund warum ich diesen Blog schreibe ist, dass ich als Vater mit großer Besorgnis beobachte, wie sich die einstigen Stimmen der Stimmlosen – die Rapper und Künstler, die gelegentlich die Sorgen und Kämpfe der sozial Benachteiligten in ihren Songs thematisierten – zunehmend in eine Richtung bewegen, die nur noch von Drogenkonsum, Kriminalität und Materialismus geprägt ist. Und aus irgendeinem Grund stelle ich auch fest, dass sich niemand traut, diese schädliche Entwicklung beim Namen zu nennen, obwohl ihre Auswirkungen nicht mehr zu ignorieren sind.
Früher prangerten Künstler hin und wieder Ungerechtigkeiten im System an und gaben damit der Unterschicht eine Stimme, zu der man außerdem cool Bouncen konnte. Hierzu fallen mir Klassiker wie „Der beste Tag meines Lebens” von Kool Savas, „I Can” von Nas, „Weck mich auf” von Samy Deluxe, „Kopf Hoch” von Azad, oder „Adriano” von den Brothers Keepers ein. Das waren schöne, motivierende Songs mit aufklärender Funktion, die für ein gesundes Gleichgewicht gesorgt haben. Es waren Songs, die uns in schweren Zeiten Halt gaben. Als Kinder aus den sogenannten sozialen Brennpunkten hatten wir mehr als genug davon. Die Songs schenkten uns nicht nur Hoffnung, sondern stärkten auch unser Selbstwertgefühl in einem Umfeld, das nur darauf aus war, all das in uns zu zerstören. Ein Umfeld in einer Gesellschaft, das uns einredete, dass man erst etwas wert ist, wenn man etwas hat, also zu den Besitzenden gehört.
Heute hingegen scheint sich alles nur noch um schnellen, wertfreien, dekadenten Reichtum, Molly, Gewaltverherrlichung und oberflächliche Exzesse zu drehen. Die sogenannten neuen Künstler scheinen einen neuen Weg gefunden zu haben, mit dem bestehenden Problem umzugehen. Soziokulturelle Ignoranz und die Vergötterung des Materialismus, dessen Teilhabe ihnen lange verwehrt war. Sie versuchen mit allen Mitteln, in jenen Club aufgenommen zu werden, in dem sie von Anfang an unerwünscht waren und es bis heute sind. Das Verlangen, dazuzugehören, ist so groß, dass sie sogar bereit sind, mit ihrer sogenannten Kunst nicht nur ihre eigene Seele und die ihrer Fans zu opfern, sondern auch die der nächsten Generationen, also die unserer Kinder.
Eine Kultur, die auch dafür stand, to FIGHT THE POWER und die Menschen zu stärken, ist zu einer Kultur der toxische Unterhaltung und dadurch zu einer KULTUR DER SCHWÄCHE verkommen. Eine Kultur, deren einzige Aufgabe darin besteht, die Verlierer von morgen zu schaffen, die man klein halten kann, diskriminieren, ausbeuten, inhaftieren, misshandeln, beim Wegrennen von hinten erschießen kann und daran noch Geld verdient.
Was aber, wenn dies leider der einzige Weg für einen aufstrebenden Künstler aus einfachen Verhältnissen ist, um in einer wertfreien Industrie Klicks zu generieren, viral zu gehen oder berühmt zu werden?
I got people to feed
„I got people to feed”, gab ein Label-Chef aus den Staaten einmal als Antwort, als er vom Breakfast Club gefragt wurde, warum er diese KULTUR DER SCHWÄCHE so stark promotet? Eine toxische Kultur, die nachweislich mehrere Generationen einer Community ins Elend getrieben hat und dies noch immer tut? Eine Kultur, die zukünftige Generationen von Schwerverbrechern und Drogensüchtigen fördert?
„I got people to feed”, war seine Antwort. Why not? Es sind schließlich nicht seine eigenen Kinder. Es sind auch nicht seine eigenen Kinder, die später in Privatgefängnissen landen und dort als billige Arbeitskräfte von Privatunternehmen ausgebeutet werden. Seine Kinder besuchen stattdessen eine Privatuniversität und absolvieren ein Praktikum bei Alphabet, dem Mutterkonzern des Unternehmens, für das er seit Kurzem arbeitet. Warum sollte ihn das Wohl einer Community interessieren, der er nicht angehört?It's all about C.R.E.A.M!
Selbst die Moderatoren, die zu dieser Community gehören und eine Mitschuld an dieser toxischen Entwicklung tragen, waren von seiner ehrlichen Antwort mehr als überrascht. Traurigerweise folgte von ihnen außer einem unterwürfigen Lachen nichts. Hier konnte man die Funktion des modernen Haussklaven tatsächlich live in Aktion erleben.
Um den Label-Chef hier in Schutz zu nehmen, ist das vielleicht genau die Rolle, die Künstler in der Gesellschaft schon immer gespielt haben, spielen dürfen und immer spielen werden, wenn man C. Wright Mills glaubt. Wie einst der Hofmusiker, dessen Aufgabe es war, den König mit Lobliedern zu verherrlichen und seine Untertanen zu unterhalten, erfüllen die neue Musikindustrien und ihre Interpreten heute vermutlich dieselbe Funktion. Dabei ist an die Stelle des Königs die neue Herrschaftsideologie getreten. DER MATERIALISMUS
Mills, der sympathische, gefährliche Kommunist hatte, mit seiner These vielleicht nicht ganz unrecht. In seinem Buch THE POWER ELITE, das ich sehr empfehlen kann, beschreibt er diese Mechanismen sehr eindrucksvoll. Die Hofmusiker von gestern sind die Entertainer von heute. Kaum zu glauben, dass ich selbst Teil dieses Schauspiels werden wollte und es auch beinahe geworden wäre. Doch Gott sei Dank hat es nicht geklappt. Aber das ist eine Geschichte für einen eigenen Blogbeitrag. Bleibt gespannt.
Wer spricht noch für den „kleinen Mann“?
Wer gibt heute denen eine Stimme, die täglich mit Armut, Wohnungsnot, schlechter Bezahlung, schlechter Bildung, Diskriminierung, Marginalisierung, Polizeigewalt und Kriminalisierung kämpfen?
Genau deshalb sind Blogger, Podcaster, Influencer, Youtuber oder auch Schriftstellern aus der sogenannten Unterschicht wichtiger denn je. Während sich die moderne Hofnarren dem Materialismus unterworfen haben und sich die großen Medienhäuser meist mit den Problemen der Mittel- und Oberschicht beschäftigen, bleibt das wahre Leben vieler Menschen ungehört. Die andere Seite der Medaille muss auch gezeigt werden, auch wenn es heißt Salz in die gesellschaftliche Wunde zu streuen. Raus aus der bubble und rein in die Realität!
Es sind die Stimmen derer, die mit steigenden Mieten kämpfen, in unsicheren, schlecht bezahlten Jobs arbeiten oder mit Behörden ringen, die sie auch nur als Nummer sehen. Es sind auch Menschen, die wegen Krieg und Korruption, deren lange, schmierige Spur bis nach Europa reicht, gezwungen sind, ihre Heimat zu verlassen. Diejenigen, die für alles verantwortlich gemacht werden, was in diesem Land schief läuft; von steigender Kriminalität, schwächender Arbeitsmarkt, teuere Lebensmittel bis zu hohen Sozialausgaben. Fehlt nur noch, dass ihnen auch der Klimawandel zu Last gelegt wird. Wie sagt man so schön? „Was nicht ist kann ja noch werden”. Die Zukunft wird es zeigen.
Es sind immer die hilflosen kleine Leute denen man die Schuld dafür gibt. In der Geschichte, der sogenannten westlichen zivilisierten Welt, war es nie anders. Ja, so funktioniert leider die Psychologie der Massen. Vernunft hat hier wenig Platz. South Park lässt grüßen.
Cum-ex und Cum-cum, die den deutschen Steuerzahler über 90 Milliarden Euro gekostet haben, werden natürlich nicht erwähnt. Denn sowas Kriminelles machen die unfehlbaren Philanthropen in den oberen Klassen nicht. Sie sind ja so kultiviert, so gebildet, so zivilisiert, so eloquent, und das Wichtigste; sie sorgen für Wohlstand und schaffen Arbeitsplätze für Millionen Menschen; im Ausland, für zwei Cents die Stunde. Sie zu kritisieren käme einer Blasphemie gleich und würde den Tod der eigenen Karriere bedeuten. Die Letzte, die sich das traute und leider daran scheiterte, war die mutige Ex-Staatsanwältin Anna Brorhilker.
„Die Großen lässt man gehen und die Kleinen lässt man hängen“, waren ihre letzten Worte, bevor sie endgültig das Handtuch warf. Dass sie so verbissen drangeblieben ist und am Ende am Unwillen der Politiker scheitern musste, verdient von meiner Seite großen R.E.S.P.E.C.T. Damit hat sie mehr Mumm bewiesen als zehn Möchtegern-Gangsterrapper zusammen. Für ihre Zukunft wünsche wir ihr selbstverständlich nur das Beste.
Immer wieder wird den kleinen Mann und der kleine Frau die Schuld gegeben. Immer wieder werden sie als „Verlierer der Gesellschaft“ abgestempelt. Es sind einfach faule asoziale Menschen den es einfach am richtigen Mindset mangelt, würden die neuen selbsternannten, falschen Propheten sagen, auch Couches genannt.
Die alleinerziehenden Müttern die sich mit Reinigungsjob durchlagen müssen: Falsches Mindset!
Die Vätern die drei Jobs nachgehen müssen, um die Familie zu ernähren: Falsches Mindset!
Die Rentnern die auf den Straße in den Mülleimer nach Pfandflaschen suchen, um ihre Rente auszubessern: Falsches Mindset!
Die Frau, die wegen jahrelanger Misshandlung durch ihren Ehemann einen Nervenzusammenbruch erlitt, bis sie ihr Verstand verlor und jetzt obdachlos ist: Falsches Mindset! Das ist doch ganz klar!
Ja, das haben wir nun alle davon, wenn wir solchen selbsternannten Propheten, à la Milton Friedmann und Ayn Rand, das Spielfeld allein überlassen. Der sogenannte Wohlstand und die Ideologie die dahinter steckt, braucht natürlich für die gläubigen, gebildeten, intelligenten, hartarbeitende Mittelschicht, die mit stark verschnupften Nase und kurz vorm Burnout den Wohlstand der oberen 1 Prozent vermehren, einen gesellschaftlich schwachen Gegner.
Diese Ideologie braucht einen Feindbild, einen finanziellen Versager, der ihre Gläubigen immer daran erinnert, wie schlimm es ihnen ergehen kann, wenn sie nicht stark an die Religion des Materialismus glauben. Aber vor allem braucht dieselbe Religion einen Feindbild, der von ihren eigenen Kriminellen Motiven, schön ablenken kann.
Und so kann der sogenannte Wohlstand ganz langsam von Generation zu Generation von unten nach oben fließen. Ich denke dieses Phänomen kann man auch als ein Fließen-Up Effekt bezeichnen. Yeah!!! Der diesjährige Nobelpreis für Ökonomie wäre somit meiner. Es müssen nur genug gebildeten, intelligenten, gut bezahlten Menschen daran glauben. Man muss es nur oft wiederholen, oder die richtigen Menschen dafür bezahlen. Vielleicht helfen mir Der Spiegel und Co. dabei. Why not?
Der wahre Klassenkampf!
Warren Buffett, der alte Dinosaurier der Wall Street, sagte einmal in einem Interview mit der New York Times: „Es gibt einen Klassenkrieg, ja, aber es ist meine Klasse, die Klasse der Reichen, die ihn führt – und gewinnt.“ Dass dieser alte Dinosaurier noch unter uns weit, gleicht Wahlich ein Wunder. Aber darin kann man sehen zu was Geld fähig ist. Vielleicht wird man nicht glücklich damit aber bestimmt sehr alt und einflussreich.
Treffender kann man aber den eigentlichen Konflikt in unserer Gesellschaft kaum beschreiben. Doch Brot und Spiele lenken erfolgreich vom Konflikt ab. Je weniger das Brot, desto dümmer die Spiele. Grüße gehen hier natürlich an Jocko und Klaas für die tolle Arbeit, die sie dazu leisten.
Wer sich die Politiker anschaut, wo sie sich bewegen, mit wem sie verkehren, erkennt schnell, dass sie sich längst für eine Klasse entschieden haben. Man soll ja die Hand, die einen füttert, nicht anspucken, würde man hier sagen. Noch treffender ist es, die Hand nicht anzuspucken, die einen bei monströsen und verbrecherischen Handlungen an Kindern heimlich aufnimmt. Das können wir seit dem Epstein-Skandal täglich beobachten. Erst recht nicht, wenn diese Hand einen selbst zum “Gewinner” macht. Vielleicht nicht zu den 1 Prozent der Gesellschaft, aber immerhin noch zu den 10 Prozent. Aber uns die kleinen Leute, die Sozialschwachen, die Verlierer dieses Krieges, wie Buffet es erklärt, kann man getrost anspucken. Zumindest dann, wenn unsere Stimmen gerade nicht gebraucht werden.
Wie eine Studie des V-Dem-Instituts, das dieses Thema untersucht hat, zeigt, werden die Wünsche derjenigen, die zu den sozial Schwachen und damit zur untersten Schicht der Gesellschaft gehören, von der Politik nicht aufgegriffen. Warum sollten sie das auch tun? Warum sollten sie sich für die Wünsche einer besitzlosen Horde interessieren, von denen sie in keinerlei Hinsicht profitieren? Wie es scheint, wird der Krieg, von dem der alte Buffett spricht, nicht nur in der sogenannten zivilisierten Welt, sondern auch international geführt.
Wo sind verdammt nochmal die Maxisten, wenn man sie braucht?
Warum dieser Blog?
Ein Blog ist eine Plattform, auf der diese Probleme ungefiltert und ohne politische Agenda angesprochen werden können. Es wird schwierig keine politische Agende zu verfolgen, aber ich werde mein Bestes geben. Als ein Weltbürger, à la Sokrates und dazu noch parteilos, muss es mir eigentlich leichtfallen.
Aber zurück zum Thema. In einem Blog geht es darum, Bewusstsein zu schaffen, Menschen aufzuklären, Gleichgesinnte zu vernetzen und vielleicht sogar Druck auf die Politik auszuüben.
Als Realist à la John Mearsheimer weiß ich, dass letzteres ein frommer Wunsch sein mag. Politiker haben eben Gefallen an Kaviar, Austern, privaten Chauffeuren, mysteriösen schwarzen Aktenkoffern voller bunter Notenscheine, an die sie sich auf mysteriöse Weise nicht mehr erinnern können, und tropischen Inseln mit minderjährigen Mädchen gefunden.
Doch ich weiß auch: Veränderungen sind möglich, wenn die richtigen Voraussetzungen geschaffen werden. Und genau daran müssen wir arbeiten. Prof. Reinhard Maussfeld nennt diesen Prozess, die Bildung des gemeinsamen Kollektivs. Seine Büchern sind wie die Rote Pille in dem Film The Matrix. Nachdem verzehr wird alles danach einfach nicht mehr dasselbe sein. Ich empfehle nur zu tiefsten sich mit seine Büchern auseinander zu setzen. Aber lesen auf eigener Gefahr!
Warum brauchen wir die neuen Stimmen?
Wenn sich die einstigen Stimmen der Stimmlosen von den echten Themen entfernen, und die Gunst derer suchen, die sie einst bekämpft haben, dann müssen neue entstehen.
Menschen, die aus eigener Erfahrung berichten können und dadurch eine ehrliche, authentische Perspektive liefern. Genau das brauchen wir in einer Zeit, in der die Kluft zwischen Arm und Reich immer größer wird. Vor allem in Zeiten, in denen die Sozialschwachen in der Öffentlichkeit, diskreditiert, marginalisiert, kriminalisiert oder totgeschwiegen werden.
Es ist an der Zeit, dass diejenigen, die an den Rand der Gesellschaft gedrängt werden, sich selbst Gehör verschaffen, solange das “freie” Internet es noch zulässt. Wenn die sogenannten neuen “Künstler” das nicht mehr tun, obwohl sie oft noch in Milieus verkehren, in denen das Leid nach all den Jahren noch sichtbar ist, dann machen wir es eben selbst.
Ein sehr kluger Mann hat einmal gesagt:
„Sei friedlich, sei höflich, gehorche dem Gesetz, respektiere alle; aber wenn jemand dich angreift, schick ihn auf den Friedhof.”
Das Zitat stammt natürlich von den berühmten DR MALCOLM X. Wer sonst?
In diesem Sinne: Herzlich willkommen auf meinem Blog. Mic Drop!
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Kommentare
Hallo Kari,
ein wirklich schöner und mutiger erster Beitrag!
Spannend finde ich, wie Du gesellschaftliche Strukturen und ihre Verflechtungen aufgreifst.
Ich spüre Deine Leidenschaft für eine gerechtere Welt, in der Rapmusik auch hierzulande weiterhin eine tragende Rolle spielen soll.
Dein Blog wirkt direkt sehr persönlich. Ich finde es toll, dass Du diesen Schritt gegangen bist und Deine Gedanken mit anderen teilst. Ich bin gespannt, welche Themen und Geschichten hier noch kommen werden.
Viel Erfolg und vor allem ganz viel Freude mit deinem Blog!
Interessanter und zugleich tiefgründiger Beitrag. Besonders der Gedanke von kollektiver Verletzlichkeit und dem Bewusstsein eigener Stärke ist mir dabei aufgefallen. Der Text regt wirklich zum Nachdenken an.